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Pfarreiengemeinschaft Völklingen St. Eligius
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Michael Meyer
Allen ein Bruder
Am 3. Mai hat Papst Franziskus sieben neue Heilige ernannt. Darunter ist der 1858 in Straßburg geborene Charles de Foucauld. Einer turbulente Biographie zeichnet den Elsässer aus. Foucauld stammt aus einer der reichsten Familien Frankreichs, lebt in Saus und Braus und liebt das abenteuerliche Leben. Als Soldat kommt er in den Kontakt mit der arabisch-islamischen Welt. Gott? Religion? Fehlanzeige beim Lebemann aus adligem Haus. Charles de Foucauld hat sich vom Glauben losgesagt.
Die Begegnung mit Muslimen wird jedoch sein Leben umkrempeln: „Der Islam hat eine tiefgreifende Umwälzung in mir bewirkt. Der Anblick dieses Glaubens, dieser in der ständigen Gegenwart Gottes lebenden Wesen, ließ mich ahnen, dass es etwas Größeres und Wahrhaftiges gäbe, als das Treiben der Welt.“ Foucauld entscheidet sich für ein Leben als Trappist in Syrien und Algerien, später verbringt er einige Zeit im Heiligen Land. Die Suche nach dem „Letzten Platz“ treibt ihn an, um in den Geringsten das Antlitz Jesu zu entdecken. Schließlich beginnt er ein Leben in der Wüste Algeriens, wo er eine schlichte Präsenz in der Nachbarschaft mit dem Volk der Tuareg wählt.
Als „Bruder aller Menschen“ will er das Evangelium mitten in der Welt verkünden. Das Zeugnis des Lebens ist Charles de Foucauld wichtiger als die Vielzahl von Worten. Am 1. Dezember 1916 wird der von den Muslimen als „Marabout“ verehrte Mystiker überfallen und bei einem Unfall getötet. Ein Leben wie ein Film.
Foucauld ist ein lebenslang Suchender, der stets bereit ist, um in neuen Situationen oder an ungewöhnlichen Orten nach der Aktualität des Evangeliums zu fragen. In seiner letzten Enzyklika „Fratelli tutti“ über die soziale Freundschaft bezieht sich Papst Franziskus ausdrücklich auf den Querkopf aus der algerischen Wüste. Er würdigt ihn als einen Menschen, der in seiner radikalen Gottessehnsucht die Botschaft der universalen Geschwisterlichkeit aller Menschen wachhält. Die Erfahrung des Scheiterns im eigenen Lebensweg, der aufrichtige Dialog mit Andersglaubenden, das Teilen des Alltags mit den Menschen auf dem letzten Platz – für mich sind das sympathische Aspekte des neuen Heiligen.
 
 
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