
Michael Meyer
Weg ins Unbekannte
„Buch des Ursprungs Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams“ (Matthäus 1,1), lautet der Beginn des Matthäusevangeliums. Im neuen Jahr 2023 begleitet uns das Matthäusevangelium Sonntag für Sonntag. Der Beginn des Evangeliums spricht vom erwarteten Messias, der aus dem Volk Israel kommt. Er steht in der langen Glaubensgeschichte seit Abraham und Sara.
Matthäus beginnt die Frohe Botschaft mit dem Stammbaum Jesu und zählt mehrere Generationen von Abraham bis Josef, dem Mann Marias, auf. Auffällig und ungewöhnlich ist: Vier Frauen (Tamar, Rahab, Rut und Batseba) werden explizit im Stammbaum genannt. Noch auffälliger ist: Alle vier Frauen sind „Nichtisraeliten“. Mit der Geburt Jesu ist der Horizont über das Volk Israel hinaus zur globalen Völkerwelt geöffnet. Gottes Heil für alle Menschen! Die Sterndeuter kommen aus dem Osten (Matthäus 2,1-12), auch sie sind „Nichtisraeliten“. Es sind die Fremden, die den Neuanfang Gottes bemerken und sich auf den Weg zur Krippe machen. Die Sterndeuter verlassen ihre vertraute Heimat, sie wagen das Abenteuer eines unbekannten Weges und lassen sich auf Gottes Zukunft ein.
Der Jesuit Karl Rahner setzt die Suche der Sterndeuter in Verbindung zu unserem Leben. „Siehe, die Weisen haben sich aufgemacht. Ihre Füße liefen nach Bethlehem, ihr Herz aber pilgerte zu Gott. Sie suchten ihn; aber während sie ihn suchten, führte er sie schon. Sie glauben nicht, dass der Mensch seinen einen Schritt unterlassen dürfe, weil Gott ja doch tausend machen müsse, damit beide sich finden. Lasst auch uns auf die abenteuerliche Reise des Herzens zu Gott gehen! Lasst uns aufbrechen und vergessen, was hinter uns liegt! Es ist noch alles Zukunft – weil wir Gott noch finden, noch mehr finden können. Der Weg geht durch Wüsten und Finsternisse. Aber verzage nicht: der Stern ist da und leuchtet.“
Für das neue Jahr 2023 wünsche ich uns Entdeckerfreude, um Gottes Spuren im Fremden und Unbekannten zu suchen & zu finden: „Verzage nicht: der Stern ist da und leuchtet.“

